Die Druckbranche steht unter Druck – technologisch, preislich und strukturell. Online-Druckereien skalieren über Automatisierung und aggressive Preismodelle, Plattformen bündeln Nachfrage, und viele mittelständische Betriebe reagieren darauf mit defensivem Marketing oder falscher Anpassung. Dabei liegt die eigentliche Stärke klassischer Druckereien nicht im Preiskampf, sondern in etwas, das Online-Riesen strukturell nicht leisten können: Identität, Haltung und Nähe.
Als ehemaliger Marketingleiter bei WIRmachenDRUCK und heutiger Berater für Unternehmen wie Proppe Etiketten, Kollin Medien oder PTM Protex sehe ich immer wieder dasselbe Muster: Die größten Potenziale liegen nicht in neuen Maschinen, sondern in klarer Positionierung.
Maschinen kann jeder kaufen. Haltung nicht.


Vertrauen entsteht nicht durch Technik, sondern durch Werte
Internationale Studien – etwa das Trust Barometer von Edelman – zeigen seit Jahren, dass Vertrauen im B2B-Bereich nicht primär über Produktdetails entsteht, sondern über Transparenz, Werteorientierung und klare Positionierung. Genau hier haben traditionelle Druckereien einen systematischen Vorteil. Sie sind regional verwurzelt, oft familiengeführt, verfügen über jahrzehntelange Erfahrung und pflegen persönliche Kundenbeziehungen.
Doch anstatt dieses Kapital selbstbewusst zu kommunizieren, versuchen viele Betriebe, wie junge Start-ups zu wirken. Dabei ist Erfahrung kein Makel, sondern ein ökonomischer Wert. Eine Analyse von PwC zeigt, dass Stabilität und Verlässlichkeit im Mittelstand zu den wichtigsten Kaufkriterien zählen. Wer seit 80 oder 120 Jahren existiert, hat Krisen überstanden, Märkte erlebt und Qualität bewiesen. Das ist keine Nostalgie – das ist Marktvertrauen.
Tradition ist nicht das Gegenteil von Innovation. Sie ist deren Fundament.
Wer alles anbietet, wird austauschbar
„Wir drucken alles“ ist kein Geschäftsmodell, sondern ein Unsicherheitsbekenntnis. Märkte belohnen Spezialisierung. Unternehmen mit klarer Nische erzielen nachweislich höhere Margen und stärkere Kundenbindung – das zeigen Analysen von McKinsey & Company seit Jahren.
Druckereien, die sich gezielt positionieren – etwa als Spezialist für hochwertige Etikettenlösungen wie Proppe Etiketten oder als Corporate-Fashion-Experte wie PTM Protex – werden nicht mehr über den Preis verglichen, sondern über Kompetenz bewertet. Gleiches gilt für dialogorientierte Kampagnenanbieter wie Kollin Medien, die Print nicht isoliert, sondern strategisch integriert denken.
Spezialisten werden gesucht. Generalisten werden verglichen.


Kunden kaufen Wirkung – nicht Grammatur
Ein zentrales Missverständnis im Druckereimarketing besteht darin, Produkte zu verkaufen statt Ergebnisse. Kein Kunde interessiert sich ernsthaft für 135-Gramm-Bilderdruck matt oder UV-Lackierung, wenn er nicht versteht, welchen Beitrag das Produkt zu seinem Geschäftserfolg leistet.
Studien der Deutsche Post DHL Group belegen, dass physische Mailings eine deutlich höhere Aufmerksamkeit und längere Verweildauer erzeugen als rein digitale Anzeigen. Gleichzeitig zeigen Analysen von Nielsen, dass Multichannel-Kampagnen – also die Kombination aus Print und Digital – signifikant höhere Conversion Rates erzielen als Einzelmaßnahmen.
Print ist nicht veraltet. Print ist nur falsch verkauft.
Wer Print als strategisches Instrument positioniert, das Leads generiert, Vertrauen aufbaut und Marken stärkt, hebt sich automatisch vom Preiswettbewerb ab.
Regionalität ist kein Nachteil – sie ist strategische Nähe
Während globale Plattformen Effizienz skalieren, wächst im Mittelstand das Bedürfnis nach persönlicher Betreuung. Laut Statista bevorzugen viele deutsche Unternehmen bei komplexen Dienstleistungen feste Ansprechpartner und direkte Erreichbarkeit.
Genau hier liegt die strukturelle Stärke regionaler Druckereien: schnelle Abstimmungen, kurzfristige Produktionsanpassungen, persönliche Beratung und im Zweifel auch eine Nachtschicht für den Kunden. Diese Servicekultur lässt sich nicht automatisieren. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil, wenn man ihn kommuniziert.


Storytelling schafft Erinnerung – nicht Datenblätter
Das menschliche Gehirn speichert Geschichten signifikant besser als isolierte Fakten – das belegen mehrere Studien aus der kognitiven Psychologie, unter anderem aus Stanford. Druckereien verfügen über außergewöhnliche Geschichten: Familienunternehmen in dritter Generation, besondere Kundenprojekte, technische Innovationen oder nachhaltige Transformationsprozesse.
Wer diese Geschichten erzählt, schafft Nähe. Wer sie verschweigt, verschenkt Differenzierung.
Marken entstehen durch Narrative – nicht durch Preislisten.
Mitarbeiter sind die stärkste Form von Branding
In einer Zeit, in der LinkedIn und B2B-Kommunikation zunehmend personalisiert funktionieren, gewinnt Sichtbarkeit von echten Menschen an Bedeutung. Kunden vertrauen Gesichtern mehr als Logos. Authentische Einblicke in Produktion, Beratung und Entwicklung schaffen Glaubwürdigkeit und emotionale Bindung.
Eine Druckerei, die ihre Mitarbeiter sichtbar macht, zeigt Kompetenz ohne Selbstlob. Sie beweist Substanz.


Bestandskundenpflege ist ökonomisch klüger als Kaltakquise
Laut Analysen der Harvard Business Review ist es um ein Vielfaches günstiger, bestehende Kunden zu halten als neue zu gewinnen. Trotzdem investieren viele Druckereien überproportional in Neukundenakquise, während Cross- und Up-Selling-Potenziale bei Bestandskunden ungenutzt bleiben.
Regelmäßige Strategiegespräche, kreative Impulse, Musterboxen oder crossmediale Kampagnenideen schaffen Folgeaufträge – und machen aus Auftragsbeziehungen Partnerschaften.
Haptik ist ein neurologischer Vorteil
Neuromarketing-Studien zeigen, dass haptische Reize zusätzliche Gehirnareale aktivieren und die Erinnerungsleistung erhöhen. Gedruckte Medien werden nicht nur gesehen, sondern gefühlt – und genau das erhöht ihre Wirksamkeit. Gleichzeitig genießen physische Medien laut dem Edelman Trust Barometer weiterhin ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit.
Papier ist kein Relikt.
Es ist ein multisensorisches Kommunikationsmedium.

Fazit: Die Branche ist nicht tot – sie ist strategisch unterfordert
Druckereien haben alles, was moderne Marken brauchen: Substanz, Geschichte, Qualität, Nähe und Kompetenz. Was oft fehlt, ist der Mut zur klaren Positionierung.
Wer Haltung zeigt, Spezialisierung wagt, Wirkung statt Produkte verkauft, Print mit Digital intelligent kombiniert und seine Menschen sichtbar macht, wird auch im Jahr 2026 nicht um seine Existenz kämpfen müssen.
Die Zukunft der Druckbranche entscheidet sich nicht im Maschinenpark.
Sie entscheidet sich im Marketing.
